Kostenlose Lieferung: aktuell ca. 2-3 Tage | Verlängertes Rückgaberecht: 60 Tage | Hilfe & Kontakt
20% EXTRA auf ALLES sichern!
▸ Jetzt Newsletter abonnieren

ORIENTTEPPICHE - HERKUNFTSLÄNDER

Handgefertigte Orientteppiche werden in der Regel nicht nach ihren Ursprungsländern katalogisiert, sondern nach ihrem Fertigungsort oder den Volksgruppen, welche den Teppich hergestellt haben. Der Ort der Herkunft wird dabei Provenienz genannt. Eine Provenienz kann einen Volkstamm, eine Stadt oder ein ganzes Dorf mit einer langen Knüpftradition bezeichnen. Teilweise gehen Provenienzen auch über heutige Landesgrenzen hinaus. Die bekanntesten Provenienzen für klassische Orientteppiche sind Afghan, Bidjar, Choubi, Ghoum, Täbris, Nain, Isfahan und Moud.

Teilweise haben sich über die Jahrhunderte Muster, Designs und Stile der einzelnen Provenienzen vermischt. Dies ist vor allem auf umherwandernde Nomadenstämme oder Kriegs- und Eroberungsfeldzüge zurückzuführen. Außerdem wurde für Feldherren und Könige in früherer Zeit oftmals der gesamte Hausstaat mitgeführt. Zelte wurden wie Paläste ausstaffiert wodurch kostbare Teppiche auch in andere Regionen gelangten. Heutzutage werden mittlerweile Teppiche auch weit entfernt von den ursprünglichen Herstellungsorten produziert. Inzwischen gibt es Teppiche aus Indien, die Perserteppiche oder Nepal Teppiche nahezu perfekt imitieren. Im Handel sind diese Teppiche unter dem Begriff Indo-Gabbeh und Indo-Nepal erhältlich. Häufig sind diese Imitate günstiger als das Original.

Zu den wichtigsten Ursprungsländern handgefertigter Teppiche zählen neben dem Iran, auch Pakistan und Indien. In der Teppichindustrie werden statistisch ebenfalls Importe aus folgenden Ländern erfasst: Afghanistan, China, Marokko, Nepal, Tunesien und aus der Türkei. Weitere Ursprungsländer für Orientteppiche sind: Ägypten, Albanien, Algerien, Armenien, Azerbaidschan, Bhutan, Bosnien-Herzegovina, Bulgarien, Georgien, Griechenland, Kirgistan, Kroatien, Mazedonien, Mongolei, Rumänien, Teile von Russland, Slowenien, Tadschikistan, Tschetschenien, Turkmenistan und Usbekistan.

Das klassischste und wohl bekannteste Ursprungsland der Orientteppiche ist Persien (Iran). Der Begriff Perserteppich ist weltweit bekannt und gilt als Synonym für hochwertige, kunstvolle Orientteppiche. Aufgrund der jahrtausendalten Teppichtradition und dem Export in die ganze Welt liegt es nahe, Persien als die Wiege des Orientteppichs zu betrachten. Es ist außerdem das Ursprungsland mit dem abwechslungsreichsten und bedeutendsten Knüpfaufkommen, sowie dem kontinuierlichstem Knüpfhandwerk. Der Facettenreichtum persischer Knüpfkunst begründet sich vor allem auf die Struktur eines seit Alters her festgefügten Vielvölkerstaates. Erst 1936 wurde dieser Staat in Iran umbenannt. Der Hauptteil der Iraner setzt sich zusammen aus Völkern der Perser, Kurden, Aserbeidjaner, Bachtiaren, Turkmenen, Araber, Luren, Gaschghai, Afscharen, Belutschen, Schahsawanen und Assyrer. Da sich seit der Staatsgründung der Republik Iran die Bevölkerung fast verdoppelt hat, ist auch das Knüpfaufkommen lange Zeit angestiegen. Der Iran beinhaltet eine umfangreiche Variationsbreite seiner Provenienzen, weshalb man die Knüpf -und Webteppichproduktion im Iran mittlerweile als Volkskunst bezeichnet. Weiterhin nimmt der Iran unbestritten unter den Ländern welche Knüpfteppiche produzieren immernoch eine Leitfunktion ein. Die iranische Teppichherstellung hält dabei zwar überwiegend an traditionellen, historischen Designs fest, dennoch werden auch marktfähige Neuerungen wie z.B. in den 50er und 60er Jahren das Nain Design mit einer beige-blauen Farbgebung entwickelt. Aktuell sind außerdem noch modern gemusterte Gabbehs und Loribaftteppiche zu nennen. Altbekannte Designs werden dabei behutsam dem modernen Geschmack angepasst. Es fällt auf, das sich andere teppichknüpfende Länder meist stark an den seit Jahrhunderten bestehenden persischen Mustervorlagen orientieren. Besonders das Mahi-Muster und die bekannten orientalischen Pflanzen- und Arabeskenmotive werden hierbei übernommen oder weiterentwickelt. In Anlehnung an die Originale aus dem Iran werden Nachahmungen oftmals wie erwähnt sogar nach den iranischen Provenienzen benannt oder tragen Doppelnamen wie z.B. Indo-Gabbeh. Dies kann mitunter beim Erwerb eines Orientteppichs den Käufer verwirren. Möchte man sichergehen, dass man einen echten Orientteppich erwirbt, so sollte man sich immer über die Herkunft des Teppichs informieren und gegebenfalls auch ein Zertifikat verlangen. Echte Orientteppiche sind aber in der Regel auf ihrer Unterseite mit einem Nachweis versehen.

 

Wichtige Provenienzen des Iran

Die beiden wohlbekanntesten Provenienzen des Irans sind Isfahan und Nain.

Provenienz Isfahan

Isfahan (persisch auch Esfahan) ist eine Oasenstadt im Zentrum des Irans und gleichzeitig auch Namensgeber der entsprechenden Provenienz. Sie ist die zweitgrößte Stadt des Irans und architektonisch sehenswert. Neben der Landwirtschaft mit dem Anbau von Baumwolle, Getreide und Tabak ist die Textilindustrie einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Region. Isfahan ist verglichen mit anderen Provenienzen noch relativ “jung”. Erst seit dem 17. Jhd. unter der Herrschaft des Schah Abbas dem Großen, zählen Teppiche aus dieser Region zu den Feinsten der Welt. Isfahan-Teppiche waren die ersten Perserteppiche die nach Europa gebracht wurden und dort Anerkennung und Berühmtheit erlangten. Aufgrund ihrer Feinheit werden Isfahan-Teppiche heute als eine der besten iranischen Teppiche bezeichnet. Diese Teppiche kennzeichnet vor allem ein konstant gutes Design und eine harmonische Farbgebung. Sie werden vorwiegend in Privathäusern der Stadt auf vertikalen Knüpfstühlen angefertigt. Während die Rückseite aus Baumwolle gestaltet ist, wird der Flor meist aus knapp geschnittener Schurwolle oder auch aus Seide gefertigt. Verwendet wird dabei der persische Knoten mit sehr hoher Knüpfdichte, was einen Wollteppich oder Sisalteppich besonders wertvoll macht. Generell besitzen alle Isfahan-Teppiche ein florales Design mit einem mittigen Medaillon, welches häufig von Blumenzweigen schmuckhaft umflochten wird. Der Saum dieser Teppiche besteht in der Regel aus einem großen mittigen Streifen, der von zwei so genannten Sicherheitsstreifen gerahmt wird. Die Farbpalette der Isfahan-Teppiche ist außerordentlich variabel und die Knüpfer dieser Kunstwerke verstehen sich darauf, mit hellen und dunklen Farben so zu variieren, das sich aus Untergrund und Design ein harmonisches Gesamtbild ergibt.

 

Provenienz Nain

Die kleinere Stadt Nain liegt ca. 150 km entfernt von Isfahan am Rande des zentraliranischen Wüstenhochlandes. Die Nain-Teppiche verdanken ihre Entstehung dem Niedergang des früher dort ansässigen Webhandwerks. Da durch Importe westlicher Textilien die örtlichen Webereien ihre Produkte nur noch schwerlich verkaufen konnten, schwenkte die Region im textilen Bereich auf die Teppichproduktion um. In relativ kurzer Zeit stieg die Nain Region so zu einer der qualitätsorientiertesten Provenienzen Persiens auf. Die Muster der Nain-Teppiche erinnern an jene aus Isfahan. Hier werden ebenfalls verflochtene Blumenformen als Schmuckelemente genutzt. So besitzen zahlreiche Nain-Teppiche eine aus Pflanzen- oder Tiermotiven bestehende Musterung. Auch der Saum besteht traditionell aus einem breiteren mittleren Streifen, der von zwei schmaleren Streifen begrenzt wird. Alle diese Streifen sind ebenfalls mit floralen Motiven versehen und oftmals um den Hauptstreifen herum in Kartuschen eingesäumt. Die Farbgebung ist ebenfalls typisch für die Region. Dabei werden für Verzierungen und den Hintergrund häufig helle Farben wie Elfenbein, Beige und Weiß verwendet, welches teilweise mit Grün und Azur kombiniert wird. Mitunter wird Azur aber auch als alternative Hintergrundfarbe verwendet. Im Zusammenhang mit Nain-Teppichen muss man die Orientmanufaktur Habibian nennen, welche sich durch eine extrem feine Knüpfung weltweit einen Namen gemacht hat. Durch die ausgefeilte und kunstvolle Knüpftechnik haben die Gebrüder der Manufaktur Habibian als eine der ersten Knüpfer den Nain-Teppich im Bereich dem Orientteppiche weltweit zu Ruhm verholfen. Dabei entwickelten sie auf der Basis von Mustern aus Isfahan neue Designs. Echte Habibian-Nain-Teppiche sind sehr selten, aber recht gut zu erkennen, da ihr Duktus (Stilrichtung) kurviger als die Linienführung anderer Knüpfungen ist. Beide Begründer sind inzwischen in hohem Alter verstorben; ihre Teppiche aber bleiben weltweit immer noch so gefragt, dass leider oftmals Fälschungen im Umlauf sind.