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ORIENTTEPPICHE - FÄRBEN 

Orientteppiche bestechen vor allem durch ihre wundervollen Teppichmuster und Farben. Die Kunst des Färbens entwickelte sich dabei parallel zum Knüpfhandwerk und kann ebenfalls auf eine jahrtausendealte Tradition zurückblicken. Während früher nur mittels Naturfarben gefärbt wurde, enthalten heutige Teppiche mitunter auch synthetische Farben oder eine Mischung aus beiden. Bei Geweben aus Wolle und Seide, wie beispielsweise bei einem Wollteppich, werden aber vorzugsweise immer noch natürliche Farbstoffe eingesetzt. Einige Farbstoffe lassen sich leicht aus pflanzlichen Fasern wie, zum Beispiel aus zerriebenen Walnuss- oder Granatapfelschalen gewinnen, während andere Farbstoffe leichter synthetisch produzierbar sind. Die richtigen Farbtöne herzustellen und in harmonischen Abstufungen innerhalb eines Teppichs zusammenzufügen, ist eine Handwerkskunst für sich.

 

Naturfarben

Als Naturfarben werden hauptsächlich pflanzliche Fasern eingesetzt. Verschiedene Pflanzenteile werden dabei zu einem Sud verkocht, in welchen das Garn wiederholt eingetaucht wird. Ein häufig genutztes Färbemittel um den Farbton Rot oder Rotbraun zu erzielen, wird aus der Wurzel der Färberkrapppflanze gewonnen. Schon die Römer wussten um die Farbwirkung dieser Pflanze und nannten sie deshalb „Rubia”. Beim Trocknen der gelben Wurzeln dieser Pflanze entwickelt sich deren rote Farbstoff Alizarin. Auch Purpurin und andere organische Verbindungen sind in dieser Wurzel enthalten. Je nach verwendeter Beize und Extraktionsweise, lassen sich Farbtöne von einem kräftigen Rot, über Rot-Orange bis hin zu Rosa erzeugen. Durch Beizen mit Aluminiumsalzen erhält man eher rote Farbnuancen, während Eisensalze eher violette bis braune Töne hervorrufen. Die Farbe des Färberkrapps zeichnet sich durch eine hohe Lichtechtheit und Waschbeständigkeit aus. Das macht sie als Teppichfärbemittel sehr beliebt. Möchte man blaue Farbtöne erreichen, wird in der Regel die Wurzel der Indigopflanze verwendet, wohingegen man für gelbe Abstufungen Färber-Wau, Gelbwurz, Kurkuma, Kamille oder Granatapfelschalen verwendet. Für Teppich in Grün werden Indigotöne nochmals mit gelben Pigmenten überfärbt. Mittels Indigo und Färbekrapp lassen sich ebenfalls violette und braunviolette Töne kreieren.

Für das Purpurrot, auch die „Königin unter den Farben” genannt, wird der Panzer der Schildlaus verwendet. Der so entstehende Farbstoff Karminrot war zu früheren Zeiten sehr wertvoll, da seine Gewinnung äußerst aufwendig und mühsam war. Nicht zuletzt deshalb wurde Purpur für viele Gewänder von Königen und Herrschern, aber auch für wertvolle Perserteppiche verwendet. Weitere tierisch gewonnene Farbstoffe sind Cochenille, welches von der Farblaus geliefert wird. Sekrete aus anderen Insekten beinhalten dabei auch Schellack und Stocklack. Hierbei liefern Carminsäure und Laccainsäure Farbstoffe, die ein bläuliches Rot enthalten.

Generell werden kleinere Garnstränge für den Flor des Teppichs per Hand gefärbt. Bei der traditionellen Arbeitsweise wird jedes gefärbte Los der Wolle dann ebenfalls per Hand in den Teppich eingeknüpft. Beim nächsten Los gefärbter Wolle kommt es dabei oft zu Farbabweichungen, welche auch Abrasch genannt werden. Diese Farbabweichungen traten vor allem früher auf, als reine Naturfarben zum Färben für Teppichen verwendet wurden. Je nach Lagerung des Garnes und dessen Farbintensität kam es zu den genannten Abstufungen. Mittlerweile ist der Abrasch aber auch ein Qualitätsmerkmal der von Nomaden hergestellten Berber Teppiche oder Nepal Teppiche. Er ist ein Nachweis für Handarbeit und Originalität und stellt oftmals ein individuelles, dekoratives Farbspiel dar. Pflanzenfarben erleben gerade in der heutigen Zeit ein Comeback, da sie ökologisch unbedenklich sind, den Teppichen warme Nuancen verleihen und mit der Zeit eine schöne Patina entwickeln. Deshalb gibt es mittlerweile sogar mechanische Verfahren die den Abrasch künstlich einarbeiten, um den Abnehmer zu täuschen und dem Teppich so ein „echtes” Aussehen zu verleihen. Oftmals ist die Farbechtheit eines Orientteppichs heutzutage nicht immer leicht nachzuweisen. Können doch Indigoblau und Krapprot mittlerweile exakt chemisch imitiert werden. Will man wissen ob ein Orientteppich echte Naturfarben enthält, sind meist aufwändige chemische Tests von Nöten.

 

Synthetische Farben

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in einigen Teppichen ein halbsynthetischer Farbstoff namens Indigosulfonsäure verwendet. Dieser wurde aus Indigo und Schwefelsäure hergestellt. In dieser Zeit wurden in deutschen Fabriken Anilinfarben (sogenannte Teerfarben) aus Steinkohleteer hergestellt und über verschiedene Handelswege auch in den Orient gebracht. Da diese Farben preiswerter und trotzdem leuchtend waren, lösten sie vielerorts nach und nach die Naturfarben ab. Dies ermöglicht auch eine genaue Datierung der Teppiche, die zwischen 1860 und 1870 hergestellt wurden. Zum Färben verwendete Stoffe waren dabei zum Beispiel Anilinblau, Mauvin, Fuchsin, Kongorot, Malachitgrün, Methylorange, Naphtolgelb und Amaranth. Im Gegensatz zu heute, waren die ersten verwendeten synthetischen Farben aber noch relativ unrein und verblassten schnell. Außerdem verfilzte die Schurwolle bei synthetischen Farben leichter beim Färben, was dazu führte, dass die Nachfrage nach diesen Farben wieder zurückging. Angeblich wurden diese um 1900 sogar auf den Befehl des Schahs von Persien verboten. Da natürlich die heutigen synthetischen Farben in puncto Farbechtheit und Farbstärke um einiges besser als ihre Vorgänger und deutlich preiswerter als Naturfarben sind, werden sie in der modernen Orientteppichproduktion mittlerweile häufiger verwendet.