Teppiche sind mehr als trendige Wohnaccessoires. Wie viel mehr, das beweisen die fünf bekanntesten und gleichzeitig teuersten Teppiche der Welt, die wir Ihnen in diesem Ranking vorstellen - Sie werden überrascht sein, versprochen!


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Der heilige Teppich


Auf dem letzten Platz, mit einem Kaufpreis von etwa 3.000 US-Dollar, liegt der berühmte Ardebil-Teppich. Dieser Perserteppich aus dem 16. Jahrhundert wird oft auch als “heiliger Teppich” bezeichnet, ist der älteste datierte Teppich der Welt und wird derzeit im Victoria and Albert Museum in London ausgestellt.

der heilige teppich ardabil

"Der berühmte „heilige Teppich“ im Victoria and Albert Museum in London aus dem Jahr 1539/1540"

Quelle: Von Unbekannt - http://www.vam.ac.uk/page/a/ardabil-carpet, Gemeinfrei, Link


Der Herrscher Schah Tahmasp I. gab den Teppich um 1539 in Auftrag, um mit ihm den Schrein seiner Vorfahren zu schmücken. Dieser Schrein befindet sich in einer Moschee in Ardebil, die dem Teppich seinen Namen gab, und in welcher er bis zu seinem Verkauf im Jahr 1890 aufbewahrt wurde. Unterhändler der englisch-persischen Teppichmanufaktur Ziegler erwarben den Teppich für die damals immense Summe von umgerechnet etwa 3.000 US-Dollar im Auftrag des Londoner Museums. Dort erhielt er den ehrenvollen Spitznamen “Holy Carpet”, was übersetzt “heiliger Teppich” bedeutet.

Hergestellt wurde der Teppich in den traditionsreichen Knüpfmanufakturen von Kaschan. Typisch für Teppiche aus dieser Region ist eine äußerst feine Knüpfung: Der Ardebil-Teppich weist, bei einer Größe von 61,5 Quadratmetern, eine Knotendichte von 520.000 Knoten pro Quadratmeter auf - das macht insgesamt beachtliche 26 Millionen Knoten.

Der indigoblaue Grund, auf dem sich verschiedene Ornamente abzeichnen, besteht aus feinster Seide. Der Flor des Teppichs ist aus reiner Wolle gefertigt. Motivisch zeigt er, laut vieler Interpreten, eine Nachbildung des Himmels: Gläserne Moschee-Lampen repräsentieren Sterne, die sich in einer Wasseroberfläche spiegeln, auf der Lotusblüten treiben. Das Herstellungsdatum ist ebenfalls in den Teppich eingeknüpft: Die islamische Jahreszahl 947. Das entspricht etwa dem Jahr 1540/41.

Der Ardebil-Teppich hat einen geheimen Zwilling, auch “geheimer Teppich” genannt. Zeitgleich in derselben Manufaktur hergestellt, ist dieser heute im Vergleich zum bekannteren “heiligen Teppich” weniger gut erhalten. Er ist außerdem schmaler und kleiner und musste teilweise restauriert werden. Ebenfalls im Jahr 1890 verkauft, ging er durch die Hände vieler reicher Geschäftsleute, bis ein amerikanischer Industrieller ihn für 70.000 US-Dollar erwarb und 1953 dem Museum of Art in Los Angeles schenkte, wo er bis heute ausgestellt wird.

Diese beiden Teppiche sind die bedeutendsten im Iran geschaffenen Perserteppiche und dementsprechend oft kopiert worden. Selbst der englische Premierminister hat einen solchen Ardebil-Teppich in seinem Büro in der Downing Street.

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Der Perlen-Teppich


Der Maharadscha Gaekwar Khande Rao, der von 1856 bis 1870 im indischen Staat Baroda regierte, ließ den besonderen Teppich herstellen, der es in unserem Ranking immerhin auf Platz vier geschafft hat.

Angefertigt zum Schmuck des Grabes vom Propheten Mohammed, wurde dieser Teppich nicht etwa aus Seide oder Wolle geknüpft, sondern aus Perlen. Die angesehensten Juweliere verarbeiteten insgesamt etwa 1,4 Millionen echte Naturperlen im Durchmesser zwischen zwei und drei Millimetern. Allein diese Perlen haben einen Wert von geschätzten 30.000 Karat und wiegen circa sechs Kilogramm. Jede Perle ist einzeln aufgereiht und verknüpft worden.

Den Teppich schmücken außerdem drei große Rosetten aus versilberten Gold-Brillanten. Es wurden noch viele weitere versilberte Edelsteine verarbeitet: 600 Smaragde, 1.300 Rubine und 2.600 Diamanten. Die dargestellten Motive sind von arabischer Tradition und erinnern an die Verzierungen des Taj Mahal.

Anders als ursprünglich geplant, kam der etwa 2,70 x 1,60 Meter große Perlen-Teppich niemals am Grab Mohammeds in Mekka an, sondern verblieb in der Schatzkammer des Maharadschas. 60 Millionen Rupien soll er damals gekostet haben. Heute ist der Teppich nur noch teilweise erhalten. Trotzdem erzielte er auf einer Auktion in Katar im Jahr 2009 die rekordverdächtige Summe von 5,5 Millionen Dollar.


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Der Kirman Vasenteppich


Der Teppich auf Platz drei sieht unscheinbar aus, hat aber bereits für sehr viel Ärger gesorgt. Die Geschichte, die ihn so berühmt gemacht hat, spielt nicht etwa im Orient, sondern im beschaulichen Augsburg.

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Teppich in "Vasentechnik", Kerman,17. Jahrhundert

Quelle: Von artwork:unknown - http://www.faz.net/m/%7B9C37990A-81AF-4E6A-B022-4AA25DF59F57%7Dg225_4.jpg, Gemeinfrei, Link

Dort schätzt ihn ein Auktionator im Oktober 2009 auf einen Wert von 900 Euro, und das Unglück der alten Dame, in deren Besitz sich der Teppich zuvor befunden hatte, nimmt seinen Lauf.

Kurze Zeit später wird der Teppich auktioniert und erzielt den zunächst erfreulichen Kaufpreis von 20.000 Euro. Doch die Reise des Teppichs ist damit noch nicht zu ende: Der glückliche Käufer wendet sich wiederum an das berühmte Auktionshaus Christie’s in London, das den blauen Teppich aus dem persischen Kerman, dessen leicht gewellte Oberfläche mit Bunten Blüten, Blättern und Ästen verziert ist, auf 200.000 bis 300.000 Pfund schätzt.

Als der Teppich daraufhin im April 2010 zum zweiten Mal auktioniert wird, folgt die Überraschung: Das Interesse der Bieter ist groß! Ein Sammler erscheint persönlich und gleich sechs weitere bieten telefonisch mit. Das Startgebot liegt bei 150.000 Pfund und wird weit überschritten: Ein anonymer Bieter aus Nahost ersteigert den Teppich für umgerechnet 7,5 Millionen Euro und macht ihn damit vorerst zum teuersten Teppich der Welt.

Ein Gutachten bestätigt den Instinkt des Käufers: Der Teppich stammt ursprünglich aus dem Besitz der französischen Kunstliebhaberin Comtesse Martine Marie-Pol de Béhague. Als diese Verstarb, erbte ihr Neffe den Teppich, bis er 1987 in Monaco versteigert wurde. So kam der Teppich in den Besitz eines Münchner Teppichhändlers, und von dort aus in die Hände seiner ehemaligen Haushälterin, die den Teppich zum Dank erhielt. Diese vererbte ihn wiederum an die alte Dame, die ihn zu dem Augsburger Auktionator brachte, der ihn für 20.000 Euro weit unter Wert verkaufte.

Die Dame zieht deshalb vor Gericht und verlangt vom Auktionator die Differenz zu den von Christie’s geschätzten 300.000 Pfund. Einen Vergleich in Höhe von 85.000 Euro lehnt sie ab - und verliert.

Der Auktionator muss nicht zahlen, da er glaubhaft machen kann, dass keiner der Gutachter seines Auktionshauses den tatsächlichen Wert des Teppichs erkennen konnte. So geht der Streit um den 7,5-Millionen-Euro-Teppich zu Ende. Wirklich gewonnen hat am Schluss nur einer: Der anonyme Bieter am Telefon bei Christie’s.


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Der Clark-Sickle-Leaf-Teppich


Platz zwei unseres Rankings belegt ein Perserteppich, der im Jahr 2013 für unglaubliche 34 Millionen Dollar verkauft wurde und damit einen dreimal höheren Preis erzielte, als der Kerman Vasenteppich, der bis dahin noch als der teuerste Teppich der Welt galt.

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Der "Clark 'Sichelblatt'-Teppich, Kirman, 17. Jhdt.

Quelle: Von Anonym - Sotheby’s, Gemeinfrei, Link


Der Perserteppich, der auf einer Auktion des New Yorker Auktionshauses Sotheby’s versteigert wurde, stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und ist 2,7 x 2 Meter groß. Ihn schmückt ein goldenes Sichelblatt-Muster auf rotem Grund, umrandet von einer blauen Bordüre. Gefertigt wurde er der Vermutung nach in Kerman, im Südost-Iran.

Ursprünglich aus dem Besitz des Sammlers und Namensgebers William A. Clark übernommen, gab die Corcoran Gallery of Art in Washington das besondere Stück schließlich zur Versteigerung frei und erzielte damit einen absoluten Rekordpreis. Der “Clark-Sickle-Leaf-Teppich” ist damit der teuerste Teppich, der jemals versteigert wurde. Doch nicht nur das: Er ist gleichzeitig auch das teuerste jemals versteigerte islamische Kunstwerk, und hält damit gleich zwei Weltrekorde.

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Der Teppich von Bayeux


Unangefochten an Platz eins steht der weltberühmte Teppich von Bayeux. Ein Wandteppich aus der Zeit des Mittelalters, der bis heute in der Stadt Bayeux in der Normandie ausgestellt wird und von unschätzbar hohem historischen Wert ist.

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Quelle: Von Myrabella - Eigenes Werk, Gemeinfrei, Link

Der Teppich aus dem Jahr 1070 ist insgesamt fast 70 (!) Meter lang und circa 50 Zentimeter breit. Motivisch erzählt er in verschiedenen Bild-Episoden mit kurzem erläuterndem Text davon, wie Wilhelm, Herzog der Normannen, König von England wurde. Der Zeitraum dieser Berichterstattung umfasst ungefähr ein Jahr. Da im Mittelalter nur die wenigsten Menschen lesen konnten, sind die Motive des Teppichs nahezu selbsterklärend.

Der Teppich ist nicht geknüpft, sondern aus Leinen gewebt. Die Motive sind von Nonnen mit gefärbten, bunten Wollfäden darauf gestickt worden - streng genommen ist der Teppich von Bayeux also gar kein Teppich, zumindest nicht nach unserem heutigen Verständnis. Man schätzt, dass mehrere Nonnen zeitgleich über eine Dauer von insgesamt etwa 10 Jahren hinweg an dem Teppich gearbeitet haben.

Leider ist die Zeit nicht ganz spurlos an diesem Kunstwerk vorbei gegangen: Erhalten sind bis heute etwa 69 Meter Teppich. Ursprünglich soll der Teppich allerdings sogar noch länger als 70 Meter gewesen sein. Es fehlen die Schlussszenen.

Es ist nicht klar überliefert, wer der Auftraggeber dieser Arbeit war. Es wird jedoch angenommen, dass Bischof Odo von Bayeaux, der Halbbruder Herzog Wilhelms, die Anfertigung angewiesen hat. Denn er selbst ist mehrmals, an besonders prägnanten Stellen, auf dem Teppich abgebildet. Es ist außerdem davon auszugehen, dass der Teppich nicht für die Kathedrale von Bayeux bestimmt war, sondern eher für die Präsentation in der Halle eines Adelssitzes, wie ihn Odo in Bayeux zu dieser Zeit bauen ließ.


teppich von bayeux

Quelle: Von Myrabella - Eigenes Werk, Gemeinfrei, Link


Seine bemerkenswerte, unvergleichliche Qualität macht den Teppich von Bayeux zu einem der wichtigsten Bild-Denkmäler des Hochmittelalters. Die Menschen der heutigen Zeit profitieren von detaillierten Darstellungen der mittelalterlichen Lebensweisen, die viel Aufschluss über die damaligen Verhältnisse geben können.

Seit 1982 wird der Teppich in einem eigens errichteten Museum ausgestellt. Seit 2007 gehört er außerdem zum UNESCO-Weltdokumentenerbe, was seinen enorm hohen kulturellen Wert noch einmal besonders deutlich macht.

Wir hoffen, dieses kleine Ranking hat Sie gut unterhalten - uns hat es jedenfalls viel Spaß gemacht. Netter Nebeneffekt: Sie können ab jetzt mit echtem Angeberwissen über Teppiche punkten. Erstaunte Gesichter garantiert!

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