Neben Wolle, Baumwolle und Seide haben sich Menschen über die Jahrtausende noch andere Naturfasern zunutze gemacht. Dazu gehören vor allem Sisal, Jute, aber auch Kokos-, Bambus- und Bananenfasern. Darüber hinaus finden auch Hanf- und Flachsfasern in Textilien und Teppichen Verwendung. Da in den letzten Jahren die Nachfrage nach ökologisch einwandfreien Produkten wieder gestiegen ist, werden diese Fasern auch in Teppichen wieder vermehrt verwendet. Der Trend geht hin zur Nachhaltigkeit und ein natürlicher Wohnstil ist wieder gefragt.
Die einzelnen Fasern haben je nach Pflanze verschiedene Eigenschaften. Teilweise kommen auch mehrere Naturfasern je nach Eigenschaft im gleichen Gewebe oder Teppich zum Einsatz.

 

Sisal

Sisal ist eine Naturfaser, die aus den Blättern der Sisal-Agave (siehe Bild) gewonnen und erst seit dem 19. Jhd. verwendet wird. Ihr Name leitet sich auf den ersten Ausfuhrhafen Sisal in Yucatan, Mexiko zurück. Sie ist eine der gefragtesten Naturfasern und wird neben Teppichen auch zu Seilen, Tauen und Garn verarbeitet. Da sich die kurzen, dicken Fasern nicht spinnen lassen, werden als Rohstoff eher Faserbündel genutzt. Zur Textilherstellung ist die Sisalfaser aufgrund ihrer Eigenschaften eher nicht geeignet. Da Sisal eine Blattfaser ist, welche neben Cellulose noch Lignin und Pektin enthält, ist sie härter und grober als Bast. Da Sisalfasern ausgesprochen zäh und zugfest sind, eignen sie sich gut für Teppiche die in stark belaufenen Wohn- und Büroräumen ausliegen. Durch ihre feuchtigkeitsabweisenden Eigenschaften, kann man Sisalteppiche und Sisalmatten auch im Außenbereich dekorativ verwenden oder als Teppichläufer sogar im Flur auslegen.

 

Jute

Die Jutefaser wird aus dem Kraut der einjährigen Jutepflanze (Gattung Corchorus) gewonnen. Sie stammt ursprünglich aus dem Mittelraum, besiedelte aber nach und nach auch Indien und Pakistan. Jutefasern werden nach der Ernte für 20 Tage geröstet und von Hand ausgelöst, in fließendem Wasser ausgewaschen und anschließend getrocknet. Jutefasern sind vollständig biologisch abbaubar. Sie besitzen einen goldenen Schimmer und werden deshalb auch oft die „goldene Faser“ genannt. Des Weiteren sind Jutefasern sehr dehnbar, reißfest und lassen sich gut einfärben. Neben Teppichen finden sie deshalb auch Verwendung in Verpackungsmaterialien wie z.B. Säcken und Beuteln, in Textilien und Faserverbundstoffen.

 

Bambus

Bambus ist ein faszinierendes Baumaterial - vielseitig, leicht und dabei doch stabil. Vor allem schnell nachwachsend und somit einfach anzubauen. Die Bastfaser des Bambus findet seit einiger Zeit auch in Textilien und Teppichen Anwendung, da sie ähnliche Eigenschaften wie Leinen besitzt und sich zu einem Garn verspinnen lässt. Da Bambus ökologisch sehr nachhaltig und schadstoffarm ist, wird dieses Material immer öfter auch von bekannten Teppichmarken wie z.B. Arte Espina eingesetzt.

 

Kokos

Neben ihrer kulinarischen Verwendung findet die Kokosnuss auch Einsatz im textilen Bereich. Fasern, welche aus der äußeren Umhüllung der Kokosnuss, dem so genannten Mesokarp gewonnen werden, lassen sich zu Garn verspinnen. Wichtig hierbei ist aber, dass die Fasern unreifer Früchte genutzt werden. Denn da reife Kokosfasern einen höheren Holzanteil besitzen, können diese nicht zum Spinnen genutzt werden. Kokosfasern bestehen etwa zur Hälfte aus Zellulose und zur Hälfte aus Lignin. Dies macht die Fasern äußerst dehnbar, fest und beständig. Zusätzlich sind Kokosfasern unempfindlich gegenüber bakteriellem oder mykotischem Befall. Da sie aus tropischen Gefilden stammen, sind Kokosnüsse und ihre Fasern sehr unempfindlich gegenüber Nässe. Auch in puncto mechanischem oder chemischem Abrieb sind sie recht widerstandsfähig. Aufgrund all dieser positiven Eigenschaften werden Kokosfasern oft für Fußmatten und auch in Teppichen eingesetzt. Sie eignen sich ähnlich wie Sisalmatten gut für den Außenbereich.

 

Banane

Ähnlich der Kokosnuss, werden in Indonesien die Fasern des so genannten Manilahanfs, auch Abacá genannt, zu Seilen, Tauen und Textilien verarbeitet. Diese ostasiatische Pflanze gehört zur Familie der Bananengewächse und ist nur namentlich mit der Hanfpflanze verwandt. Sie wurde nach ihrem Ausfuhrhafen in Manila auf den Philippinen benannt. Die Fasern dieser Pflanze sind sehr grob und reißfest. Nach dem Auslesen und Trocknen lassen sie sich zu einem Garn verspinnen. Teilweise werden die Fasern auch zur Papierherstellung in Teebeuteln, Zigaretten und für Banknoten genutzt. Ihre robusten, salzresistenten Eigenschaften machen sie vor allem für Schiffstaue sehr beliebt. Neben dem Einsatz als Verbundstoffe in der Automobilindustrie, werden aus Manilafasern auch Hängematten und Teppiche gefertigt. In unserem Shop haben wir einen natürlich schönen Teppich des belgischen Designlabels Papilio im Angebot, der Bananenfasern enthält und einen natürlichen, seidigen Schimmer aufweist.

 

Hanf

Hanffasern werden aus dem Bast der Hanfpflanze gewonnen. Die frühste Nutzung durch den Menschen lässt sich dabei auf 2800 v. Chr. datieren. Die Hanffasern sind im Stängel in mehreren Lagen und in unterschiedlichen Längen angeordnet. In Morphologie und Qualität unterscheiden sich beim Hanf männliche und weibliche Fasern. Während weibliche Hanffasern aufgrund ihrer längeren Vegetationszeit festere, dickere Fasern bilden, sind männliche Fasern der Hanfpflanze deutlich feiner. Weibliche Fasern werden daher öfter für Seile und gröberes Gewebe verwendet, wohingegen man männliche Fasern für feineres Gewebe einsetzt. Mitunter werden sowohl männliche als auch weibliche Hanffasern innerhalb des gleichen Gewebes verarbeitet, um eine mittlere Faserqualität zu erreichen. Da Hanf ebenso wie andere Naturfasern in Teppichen das Raumklima positiv beeinflusst, wird er auch heutzutage immer öfter eingesetzt. Hanfteppiche bieten sich vor allem für Liebhaber moderner, natürlicher Einrichtung an.

 

Flachs

Allgemein bezeichnet man als Flachs oder Leinen die aus dem Gemeinen Lein gewonnene Faser oder aus diesen Fasern gefertigtes Gewebe. Leinen wurde seit dem späten 19. Jhd. in der Textilindustrie immer mehr durch Baumwolle abgelöst, da diese einfacher anzubauen und zu verarbeiten ist. Dennoch erfreut sich Leinen heutzutage als ökologische Naturfaser wieder zunehmender Beliebtheit. Gewonnen wird die Flachsfaser aus den Stängeln der Flachspflanze. Sie zählt ebenfalls zu den Bastfasern und bildet, im Gegensatz zu den Einzelfasern der Baumwolle, Faserbündel, welche über Pektine miteinander verbunden sind. Hauptbestandteile der Flachsfaser sind Cellulose, Hemicellulose und Lignin. Die Menge dieser Bestandteile ist dabei vom Reifegrad abhängig. Früher wurden die Faserbündel mittels einer Laugenbehandlung ihre Elementarfasern zerlegt. Dadurch konnte der Flachs gesponnen werden. Da diese Laugenbehandlung aber gesundheits- und umweltschädlich ist, wird mittlerweile auf schonendere Verfahren mit Dampf und Ultraschall ausgewichen.

Die Flachsfaser ist gut teilbar, fein zu verspinnen und glatt. Sie schließt wenig Luft ein, ist schmutzunempfindlich und teilweise antistatisch. Wie einige andere Fasern ist sie bakterienabweisend. Des Weiteren hat Flachs thermoregulierende Eigenschaften, denn die Faser nimmt zwar Feuchtigkeit auf, gibt diese aber relativ schnell wieder an die Umgebung ab. Gewebe aus Flachs ist demnach zwar kühlend, hat aber dennoch einen trocknenden, wärmenden Effekt im Wohnbereich. Zudem ist Flachs- bzw. Leinengewebe strapazierfähig, reißfest, langlebig und färbbar, was es zu einem idealen Grundstoff für natürlich schöne Teppiche macht.

 

Alles in allem sind Naturfasern immer eine Investition wert. Denn Teppiche aus diesen Materialien verleihen jedem Zuhause Gemütlichkeit, ein natürliches Flair und tragen aufgrund ihrer naturbelassenen Eigenschaften zu einem angenehmen Raumklima bei.