Eine kleine unscheinbare Raupe, die sich auf ihrem Weg zum Schmetterling einpuppt, liefert seit Jahrtausenden eine der feinsten und wertvollsten Naturfasern - die Seide. Bemerkenswert dabei ist, dass das Protein aus dem Kokon der Seidenraupe, die einzige in der Natur vorkommende Endlosfaser ist. Der Ursprung der Seidenherstellung wird in China vermutet und liegt mehrere tausend Jahre zurück. Archäologische Funde datieren die menschliche Nutzung von Seide bereits auf 2800 vor Christus. Um die Entdeckung der Seide als Rohstoff ranken sich viele Legenden. So soll einem Kaiser eine Seidenraupe in heißen Tee gefallen sein und er entdeckte so zufällig den Seidenfaden. Ebenfalls soll es den Chinesen Jahrhunderte lang bei Todesstrafe verboten gewesen sein, die Seidenraupen oder ihre Eier außerhalb des Landes zu bringen. Durch angeblichen Schmuggel von zwei persischen Mönchen, soll es dann aber gelungen sein, einige Eier nach Konstantinopel zu überführen. Da die Mönche sich in China auch die Produktionsweise der Seidengewinnung abgeschaut hatten, begann nun auch in Europa der Siegeszug des feinen Materials.

 

Entstehung und Gewinnung der Seide

Der Großteil der für die Seidenherstellung verwendeten Seidenraupen stammt von einem Schmetterling namens Maulbeerspinner (Bombyx mori), der sich von den Blättern des Maulbeerbaumes ernährt. Es existieren noch einige weitere Arten, die sich zur Seidenherstellung eignen, unter anderem der chinesische Eichenspinner (Antheraea pernyi) oder der Götterbaum-Spinner (Samia cynthia). Neben den Raupen gibt es auch verschiedene Muscheln, welche Seide herstellen, indem sie Fäden spinnen, um sich an ihrem Untergrund festzuheften. Diese Byssusfäden wurden vor allem im Altertum im Mittelmeerraum zur Seidengewinnung genutzt. Generell stellen aber Seidenraupen die Hauptlieferanten für die wertvolle Seide dar. Die dabei vorwiegend genutzte Seidenraupe ist wie erwähnt die Larve des Maulbeerspinners. Diese Raupe häutet sich insgesamt viermal und ca. 35 Tage nach dem Ausschlüpfen aus dem Ei ist sie spinnreif. Die Raupe besitzt dafür Spinndrüsen, welche aus einem vielfach gewundenem Schlauch bestehen und aus deren hinterem Teil die Seidensubstanz abgesondert wird. Diese besteht aus speziellen Proteinen. Das entstehende Seidenmaterial wird über dünne Gänge zu einer Spinnwarze am Kopf der Raupe geleitet. Das aus dieser Drüse austretende Sekret erhärtet bei Kontakt mit der Luft sofort zu einem Faden. Dadurch, dass die Raupe während das Material austritt gezielte Kopfbewegungen macht, wickelt sie den Faden um sich herum und baut sich so aus diesem Seidengespinst einen stabilen Kokon. Dabei legt die Raupe bis zu 300.000 Fadenwindungen um sich herum. Faszinierend hierbei ist, dass dieser Kokon aus einem bis zu 900 Meter lange Faden besteht!

Um die Seide herzustellen, werden die Raupen vor dem Schlüpfen mit heißem Wasser oder Wasserdampf getötet. Dies soll ein Zerreißen des Kokons verhindern. Im Anschluss werden drei bis acht Kokons zusammen abgewickelt bzw. gehaspelt. Da die einzelnen Filamente aufgrund des Seidenleims zusammenkleben, entsteht der Seidenfaden, auch Grège genannt. Dieser Faden lässt sich nun zu glatten Textilien weiterverarbeiten. Um 250g eines Seidenfadens zu erhalten, werden ca. 3000 Kokons (etwa 1 kg) benötigt.

Dieser aufwändige Herstellungsprozess macht Seide so kostbar. Was in früherer Zeit während der Seidenproduktion in mühsamer Handarbeit vorsichging, wird heutzutage zumindest teilweise maschinell erledigt.

Um die Seide von ihrem gelblichen Leim zu befreien, wird sie in Seifenwasser gekocht. Dies nennt man auch Entschälen oder Degummieren. Nach diesem Vorgang erscheint sie weißlich und ist dünner, glänzender und geschmeidiger. Abschließend gibt es noch weitere chemische Aufbereitungsverfahren um Seide zu veredeln, z.B. durch Schwefeldioxid, welches die Seide bleicht.

 

Seidenteppiche

Seide ist das edelste Garn, welches in der Teppichherstellung verwendet wird. Die Vorteile von Seide in einem Teppich sind neben der edlen, glänzenden Optik, vor allem ein weicher Griff und eine hohe Reißfestigkeit. Leider hat die schillernde Faser auch einige Nachteile, denn sie ist eben sehr teuer und aufwendig in der Produktion, empfindlich gegenüber Nässe und ein Flor aus Seide ist deutlich sensibler und weniger robust als ein Wollteppich.

Ein echter Seidenteppich eignet sich daher eher als dekoratives Element und sollte nicht in Wohnbereichen ausgelegt werden, die stark belaufen werden.

In Teppichen wird Seide meist eingesetzt um Konturen im Flor zu erzeugen. Dabei kommt Seide vor allem bei Knüpf- und handgetufteten Teppichen zum Einsatz. Sehr hochwertige Teppiche sind komplett aus Seide gefertigt. Dazu gehören vor allem kleinere Teppiche aus den Provenienzen Isfahan, Nain, Ghom, Keschahn und dem türkischen Hereke. Bei diesen feinen Teppichen sind Flor, Kette und Schuß aus Seide. Da diese Teppiche als sehr wertvoll gelten, gibt es mittlerweile auch Fälschungen. Indische und chinesische Teppiche aus Kunstseide sehen den echten Seidenteppichen zwar teilweise täuschend ähnlich, weisen aber eine geringere Haltbarkeit auf. Bei Teppichen die als echte Seidenteppiche angepriesen werden, ist ähnlich wie beim Begriff Orientteppiche immer Vorsicht geboten! Um echte Seide zu testen wird die Brennprobe empfohlen. Echte Seidenfasern riechen beim Verbrennen nach verbranntem Haar, wohingegen pflanzliche Seidenimitationen wie Viskose oder merzerisierte Baumwolle einen weißen Rauch entwickeln und nach verbranntem Papier riechen. Imitationen aus Kunstfasern schmelzen bei Hitzekontakt zusammen. Man kann also wenn man einige Teppichfasern ablöst und vorsichtig anbrennt, die Echtheit der Seide testen. Oder man stöbert einfach in unseren Shop nach einem schönen Seidenteppich, denn wir verkaufen garantiert keine Fälschungen.